Lebkuchen-Schmidt als Vorreiter
Lebkuchen-Schmidt ist ein weltweit führender Produzent von Weihnachtsgebäck. Zu Saisonhochzeiten produzieren rund 1.000 Mitarbeitende bis zu drei Millionen Lebkuchen täglich. Von Nürnberg gehen die Spezialitäten in alle Welt, sogar nach Hawaii oder auf die Fidschi-Inseln. Wie das Traditionsunternehmen nachhaltig wird und welche Rolle die richtige Bank dabei spielt, berichten CFO Claudia Knoblich und Betriebsleiter Dirk Kuen im Interview.
Claudia Knoblich und Dirk Kuen; Fotos: ©Sebastian Lock
Frau Knoblich, schon seit 1926 ist Lebkuchen-Schmidt eine feste Größe der Nürnberger Backkultur. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Claudia Knoblich: Wir bringen den Menschen mit unseren Lebkuchen und weihnachtlichen Gebäcken Genuss und Freude. Unsere Marke steht seit fast 100 Jahren für Weihnachten, Familie und ein schönes Fest. Zugleich verbinden wir Tradition und Innovation: Das Unternehmen gehört seit 2014 mehrheitlich einer gemeinnützigen Stiftung. Statt kurzfristiger Gewinne können wir so langfristige Ziele wie Nachhaltigkeit und stabiles Wachstum nach vorne stellen.
Dirk Kuen: Außerdem haben wir einen sehr hohen Qualitätsanspruch – einerseits an unsere Produkte, andererseits an unsere Prozesse. Das gilt für die klassischen Lebkuchen, wie sie schon unsere Großeltern gern gegessen haben, bis hin zu besonderen Kompositionen wie der Wildheidelbeere-Marzipan-Elise, unserem „Lebkuchen des Jahres 2025“. Diese konsequente Qualitätsorientierung ist kein Trend, sondern Ausdruck unserer nachhaltigen Firmenphilosophie.
Wann hat Lebkuchen-Schmidt angefangen, systematisch nachhaltiger zu werden?
Kuen: Die Vorbereitungen für die Zertifizierung „Nachhaltiger Wirtschaften“ des Zentrums für Nachhaltige Unternehmensführung, haben 2021 begonnen und insgesamt eineinhalb Jahre gedauert. Sie waren der offizielle Startschuss, 2023 haben wir schließlich die Zertifizierung bekommen. Damit haben wir uns strategisch verpflichtet, uns in den Bereichen Umwelt, Wirtschaft und Soziales kontinuierlich weiterzuentwickeln. Wir lassen jährlich externe Audits durchführen, die überprüfen, wie wir die Maßnahmen umsetzen, die wir uns vorgenommen haben.
Knoblich: Wir haben außerdem 2022 eine Stelle für einen Nachhaltigkeitsmanager geschaffen, bei dem alle Fäden für diesen Bereich zusammenlaufen. Damit ist das Thema für alle Mitarbeitenden greifbarer und sichtbarer geworden. Inzwischen besteht unser Nachhaltigkeitsteam aus zehn Personen aus allen Geschäftsbereichen. Denn es ist uns wichtig, dass wir Nachhaltigkeit auch intern kommunizieren. Es gibt großes Interesse bei den Kollegen – und auch bei Menschen, die sich bei uns bewerben wollen.
Welche Maßnahmen haben Sie konkret ergriffen?
Kuen: Im operativen Bereich verwenden wir beispielsweise nur grünen Strom und haben unsere Beleuchtungen auf LEDs umgestellt. Damit sparen wir im Jahr etwa 500.000 Kilowattstunden Strom ein. In unserem Backbetrieb planen wir aktuell, die sogenannten Durchlaufbacköfen von Erdgas auf Elektro umzustellen. Ein Ofen verbraucht ungefähr 48.000 Kubikmeter Erdgas im Jahr. Wenn wir stattdessen grünen Strom verwenden, reduziert das die CO2-Emissionen deutlich.
Wie sieht es mit Nachhaltigkeit in Ihrer Lieferkette aus?
Knoblich: Wir stehen seit jeher vor der Herausforderung, Rohstoffe wie Mandeln, Kakao oder Zimt aus aller Welt zu beziehen. Durch die langen Transportwege ist es fast unmöglich, die Emissionen auf null zu bringen. Gleichzeitig wollen wir uns nicht mit Zertifikaten freikaufen. Deswegen werden wir direkt an den Ursprungsorten tätig. Wir haben zum Beispiel mit unseren Zimtlieferanten in Indonesien ein Projekt zur Aufforstung von Zimtbaumwäldern gestartet.
Kuen: Durch solche Maßnahmen können wir die kleinbäuerliche Landwirtschaft vor Ort unterstützen. Wir sichern ab, dass die Bauern zu nachhaltigen Anbaumethoden geschult werden und von ihren Einkünften gut leben können. Das ist für uns auch aus wirtschaftlicher Sicht wichtig, um die Verfügbarkeit von Rohstoffen zu sichern. Wir verwenden beispielsweise seit vielen Jahren als einer der ersten Gebäckhersteller ausschließlich Kakao mit Fairtrade-Zertifizierung und überzeugen uns vor Ort von den Anbaumethoden und Arbeitsbedingungen.
Welcher Finanzierungsbedarf hat sich bei Lebkuchen-Schmidt durch die Transformation ergeben?
Knoblich: Lange Zeit konnten wir Investitionen komplett aus eigenen Mitteln und den Mitteln unserer Gesellschafterinnen finanzieren. Jetzt gehen wir aber erstmals andere Wege: Für unser neues Logistikprojekt mit einem Investitionsvolumen von 60 Millionen Euro haben wir im größeren Stil Finanzmittel aufgenommen. Diese konnten wir über die HypoVereinsbank in Zusammenarbeit mit der KfW sowie einem weiteren Kreditinstitut realisieren. Es ist die mit Abstand größte Investition unserer Unternehmensgeschichte.
Dafür nutzen wir drei unterschiedliche Förderprogramme der KfW: die Förderung 596 für den klimafreundlichen Neubau im Niedrigpreissegment von Nichtwohngebäuden, die Förderung 292 für die Effizienzoptimierung von Produktionsanlagen und -prozessen sowie eine Kombination aus einem KfW-Programm und dem European Recovery Program der LfA Förderbank Bayern.
Was hat dieses Logistikprojekt mit Nachhaltigkeit zu tun?
Kuen: Aktuell sind unsere Produkte in speziell ausgestatteten Außenlagern untergebracht, die auf 16 bis 18 Grad gekühlt werden müssen, um die Qualität unserer Ware zu sichern. Da sich die Lager an unterschiedlichen Orten befinden, entstehen Lkw-Fahrstrecken von etwa 100.000 Kilometern im Jahr – und entsprechend hohe CO2-Emissionen. Unser neues Logistikzentrum wird diese verschiedenen Lager bündeln, dadurch die Fahrtwege auf ein Minimum verkürzen und wesentlich energieeffizienter sein. Zusätzlich werden wir den Großteil des Stroms für die ständige Kühlung mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach selbst erzeugen.
Welche Hürden gab es bei der Finanzierung des Logistikzentrums?
Knoblich: Wir haben mit diversen Banken Gespräche geführt. Das Entscheidende für uns war, Partner zu finden, die an das Vorhaben glauben – und die bereit sind, sowohl Teile der Saisonfinanzierung bei Lebkuchen-Schmidt als auch der langfristigen Finanzierung für das große Logistikprojekt parallel zu übernehmen. Da waren die Banken unterschiedlich flexibel und motiviert. Insgesamt war es ein spannender und manchmal steiniger Weg, aber wir haben unser Ziel erreicht: Wir wickeln die komplette Finanzierung über nur zwei Institute ab.
Impressionen
Welche Learnings beim Thema Finanzierung würden Sie anderen Unternehmen mitgeben?
Knoblich: Es hilft, mit mehreren Banken zu reden. Man lernt aus jedem Gespräch und kann diese Erfahrungen mit in das nächste Gespräch nehmen. Am Ende ist es entscheidend, Partner zu finden, die sagen: Wir glauben an euer Unternehmen, an eure Produkte und an das nachhaltige Projekt. Es gab zum Beispiel auch Banken, bei denen wir diese Überzeugung nicht wecken konnten. Diese Banken haben dann Forderungen für Sicherheiten gestellt, die für uns zu hoch waren.
Abgesehen von der Finanzierung: Was ist für Sie die zentrale Herausforderung bei der Transformation in Richtung Nachhaltigkeit?
Kuen: Eine wesentliche Herausforderung ist, die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und den Anforderungen an Nachhaltigkeit zu halten. Es gibt Maßnahmen, die eine messbare nachhaltige Wirkung haben, wie die Umstellung auf grünen Strom oder der Bau einer Photovoltaikanlage. Da können wir abwägen und eine Entscheidung treffen. Schwieriger wird es allerdings bei Maßnahmen wie der Aufforstung der Zimtbaumwälder, die perspektivisch auf Nachhaltigkeit einzahlen. Diese Aufforstung kostet viel Geld und hat kurzfristig keine messbaren Verbesserungen – langfristig jedoch schon. Außerdem können wir durch solche freiwilligen Engagements unsere Glaubwürdigkeit in Bezug auf dieses wichtige Zukunftsthema steigern, sowohl bei unseren Kunden als auch bei unseren Beschäftigten.
Hatten Sie im Rahmen der Transformation bereits Erfolgserlebnisse?
Kuen: Für mich war es ein großes Erfolgserlebnis, dass wir einen Nachhaltigkeitsmanager anstellen konnten, der das Thema weiter voranbringt. Für die Zertifizierung „Nachhaltiger Wirtschaften“ war zum Beispiel viel administrative Arbeit nötig, um alle Daten zu sammeln und die entsprechenden Maßnahmen zu koordinieren und zu dokumentieren. Dass wir die nötigen Ressourcen bereitstellen, um die Zertifizierung und alle damit verbundenen Aufgaben zu stemmen, unterscheidet uns von anderen mittelständischen Unternehmen.
Knoblich: Für mich ist es ein Erfolg, dass es uns schon sehr gut gelingt, das Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen zu kommunizieren. Bei unserer letzten Mitarbeiterumfrage haben wir gesehen, dass unsere Nachhaltigkeitsmaßnahmen einen sehr hohen Bekanntheitsgrad haben. Das Thema ist mittlerweile bei uns verankert – und eine Überzeugung, die immer weiterwächst.
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