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Museum Stuttgart Umgebung

Mario Schifano – Ein Rockstar der italienischen Kunstszene

Eine Ausstellung im SCHAUWERK Sindelfingen

Mario Schifano, Paesaggio TV, 1969-70, Private collection, Courtesy Gió Marconi, Milan, Italy, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025

In den 1960er Jahren war Rom ein pulsierendes Zentrum kultureller, gesellschaftlicher und politischer Umbrüche – eine Stadt im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, zwischen Dolce Vita und Revolte. In der römischen Kunstszene, einem Schmelztiegel aus Avantgarde, Popkultur und politischem Engagement, begegneten sich Künstler:innen, Intellektuelle und Musiker:innen. Und mittendrin: Mario Schifano (1934–1998), ein Künstler, der das Lebensgefühl dieser Ära wie kaum ein anderer verkörperte. Er zählte zur Scuola di Piazza del Popolo, einer losen Gruppe von Künstler:innen, die sich regelmäßig im Caffè Rosati auf der Piazza del Popolo trafen. Ihre Werke verbanden Elemente der amerikanischen Pop-Art mit italienischer Kultur und politischer Reflexion. Sie griffen Themen wie Konsum, Werbung, Medienbilder und urbane Landschaften auf – oft mit ironischem oder kritischem Unterton. Schifano experimentierte mit vielfältigen Materialien wie Packpapier, Lack und Acrylglas, um die Grenzen zwischen Kunst und Alltag zu verwischen.

Porträt Mario Schifano, Courtesy Archivio Mario Schifano, Rom, Foto: Patrizia Ruspoli

Schifano war mit Cy Twombly und Jean-Luc Godard befreundet, ebenso mit den Rolling Stones, die er in London traf und später in einem experimentellen Film verewigte. In römischen Underground-Clubs spielte die nach ihm benannte Band „Le stelle di Mario Schifano“ psychedelische Klänge, begleitet von filmischen Projektionen seiner Werke. Bei Aufenthalten in New York pflegte er engen Kontakt zur dortigen Kunstszene um Andy Warhol. Sein Leben war geprägt von Skandalen, Drogenexzessen und persönlichen Krisen.

In Italien gilt Schifano bis heute als Ikone der Nachkriegskunst. Er war mehrfach auf der Biennale in Venedig vertreten, seine Werke wurden in renommierten Ausstellungen gezeigt – und auch im Shopping-TV verkauft. Er entwarf Plattencover und sogar das gelbe Trikot der Tour de France 1989. Jetzt wird der Künstler auch in Deutschland mit einer Soloshow gewürdigt: Das SCHAUWERK Sindelfingen widmet ihm ab 19.10.2025 die erste Museumsausstellung. Über 80 Werke aus allen Schaffensphasen – von den frühen 1960er bis in die 1990er Jahre – darunter Malerei, Collage, Zeichnung und Fotografie –  geben Einblick in ein bewegtes Leben zwischen Erfolg und Scheitern, Leidenschaft und innerer Zerrissenheit.

Schifano und die Welt der Bilder

Ein zentrales Thema der Ausstellung ist Schifanos Auseinandersetzung mit der medialen Welt. Er war weniger an der Realität selbst als an Bildern der Realität interessiert und nutzte sie als Vorlage für seine Werke. Der Fernseher – damals ein neues Massenmedium – faszinierte ihn zutiefst. In seinem Atelier türmte sich eine Wand aus laufenden Bildschirmen: ein visuelles Dauerfeuer. Für seine „Paesaggi TV“ fotografierte er Fernsehbilder und überführte sie in Malerei. Diese Transformation von einem Medium ins andere zieht sich durch sein gesamtes Werk. Schon 1969 drehte er selbst experimentelle Filme wie Umano non umano mit Mick Jagger und Keith Richards vor der Kamera. Der Film wird in der Ausstellung erstmals den „Paesaggi TV“ gegenübergestellt.

Viele Arbeiten tragen eine politische oder gesellschaftskritische Botschaft – etwa zum Vietnamkrieg oder zur 68er-Bewegung. Auch später fanden Themen wie der Zweite Golfkrieg Eingang in seine Kunst. Kurz vor seinem Tod beschäftigte er sich mit dem verheerenden Erdbeben in Umbrien und den Marken von 1997.

Mario Schifano war mehr als ein Künstler – er war ein Phänomen. Die Ausstellung in Sindelfingen lädt dazu ein, ihn neu zu entdecken: als Visionär, Provokateur und Chronisten einer bewegten Zeit.

 

Impressum:

THE SCHAUFLER FOUNDATION
SCHAUWERK Sindelfingen
Eschenbrünnlestraße 15
71065 Sindelfingen
 
T: +49 (0)70 31 932-49 00
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag: 11–18 Uhr
 
 
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