Studie zeigt: Schlechte Teilhabechancen für Menschen mit Behinderung Studie zeigt: Schlechte Teilhabechancen für Menschen mit Behinderung
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OHNE BARRIEREFREIHEIT KEINE INKLUSION

Studie zeigt: Schlechte Teilhabechancen für Menschen mit Behinderung

Gleichberechtigt und selbstbestimmt an der Gesellschaft teilhaben – was für viele selbstverständlich ist, wird Menschen mit Behinderung oft erschwert. Barrieren – physisch, strukturell und kommunikativ – stellen sie im alltäglichen Leben vor große Schwierigkeiten. Umso wichtiger ist es deshalb, das Bewusstsein von Menschen ohne Behinderung für fehlende Barrierefreiheit zu schärfen. Denn nur, wenn alle eine echte Chance auf gleichberechtigte Teilhabe haben, kann Inklusion gelingen.

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Menschen mit Behinderung wird eine gleichberechtigte Teilhabe oft erschwert - besonders im Alltag. (Bild: Aktion Mensch / Jennifer Rumbach)

Deshalb kämpfen Aktivist*innen seit vielen Jahren dafür, dass auch private Unternehmen verpflichtet werden, allen Menschen Zugang und Teilhabe zu ermöglichen. Anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai zeigt eine aktuelle Befragung der Aktion Mensch: Betroffene haben klare Wünsche und Forderungen an Politik und Gesellschaft – und viele konstruktive Lösungsansätze, wie sich das Thema Inklusion ganzheitlich verbessern lässt.

Barrierefreiheit nützt allen

Barrierefreiheit ist kein Nischenthema: Fast zehn Millionen Menschen in Deutschland haben eine Behinderung. Doch nicht nur für sie ist Barrierefreiheit wichtig – auch Familien mit Kindern und Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, sowie Bürger*innen, die wenig Deutsch sprechen oder sich in einer Stadt nicht auskennen, können davon profitieren. Viele Behinderungen treten zudem erst im Alter auf. Jeder Mensch kann also im Laufe des Lebens auf mehr Barrierefreiheit angewiesen sein.

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Barrierefreiheit ist kein Nischenthema: Fast zehn Millionen Menschen in Deutschland haben eine Behinderung. (Bild: Aktion Mensch / Thilo Schmülgen)

Studie zeigt, wo Hindernisse abgebaut werden müssen

Eine Studie der Aktion Mensch zeigt, in welchen alltäglichen Lebensbereichen Menschen mit Schwerbehinderungen aktuell auf die größten Schwierigkeiten stoßen und welche Faktoren diese Lebensbereiche so problematisch machen. Dazu wurden im Rahmen einer quantitativen Online-Befragung 1.001 Menschen mit Schwerbehinderung im Alter von 16 bis 64 Jahren befragt.

Ein Großteil der Menschen mit Behinderung wünscht sich demnach generell ein besseres Verständnis in der Gesellschaft, aber auch eine bessere Aufklärung darüber, was eine Beeinträchtigung durch eine Schwerbehinderung überhaupt bedeutet. 83 Prozent der Befragten bemängeln außerdem, dass es zu wenig Verständnis in der Gesellschaft gibt, welchen Belastungen nicht nur Menschen mit Schwerbehinderung, sondern auch ihre pflegenden Angehörigen oft ausgesetzt sind.

Ämtern und Behörden mangelt es an Fachkenntnissen und Verständnis

Da viele Menschen mit Behinderung auf Unterstützungsleistungen angewiesen sind, sind sie entsprechend gezwungen, sich mit Ämtern, Behörden und Sozialversicherungsträgern auseinanderzusetzen. Für einen Großteil der Befragten stellt dieser Umgang eine der größten Herausforderungen im Alltag dar. Für mehr als die Hälfte (58 Prozent) dieser Gruppe fehlt es dabei vor allem an Aufklärung über die eigenen Ansprüche und Rechte.  Auch auf persönlicher Ebene machen Menschen mit Behinderung bei Ämtern und Behörden oft schlechte Erfahrungen – den menschlichen Umgang und fehlende Empathie bemängeln immerhin 59 Prozent. Jede*r dritte Befragte (34 Prozent) sieht sogar ein Problem mit ausgrenzendem Verhalten. Basierend auf diesen Erfahrungen sind die Forderungen der Befragten eindeutig: Mitarbeiter*innen müssen Menschen mit Schwerbehinderung auf Augenhöhe beraten. Es gehört zu ihren Pflichten, proaktiv Informationen zu Rechten und Ansprüchen bereitzustellen sowie kundenorientiert bei der Antragstellung zu unterstützen.

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Barrierefreiheit ist besonders für die individuelle Mobilität entscheidend. (Bild: Aktion Mensch / Kathrin Harms)

Bauliche Barrieren erschweren Mobilität

Sich uneingeschränkt, selbstbestimmt und spontan von A nach B bewegen zu können – für Menschen ohne Behinderung ist das selbstverständlich. Menschen mit Behinderung wird dies jedoch häufig verwehrt. Kein Wunder also, dass Mobilität für viele der Befragten zu den Lebensbereichen mit den größten Herausforderungen zählt. Dabei ist nicht nur die mangelnde Barrierefreiheit in öffentlichen Verkehrsmitteln (48%) ein zentrales Problem, sondern auch die fehlende Übernahme von Mobilitätskosten durch den Staat (49%).

Dementsprechend sehen die Befragten auch hier die Politik in der Verantwortung und fordern nachdrücklich Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit. 57 Prozent sind außerdem der Meinung, dass privatwirtschaftliche Unternehmen zu einer umfassenden Barrierefreiheit verpflichtet werden müssen. Und für mehr als zwei Drittel (67 Prozent) ist klar: Barrierefreies Reisen mit der Bahn muss auch für Menschen mit Behinderung spontan möglich sein.

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Auch im beruflichen Umfeld stoßen Menschen mit Behinderung immer wieder auf Barrieren. (Bild: Aktion Mensch / Thilo Schmülgen)

Herausforderungen und Handlungsbedarf im Beruf

Auch die berufliche Ebene stellt für viele Menschen mit Behinderung eine der größten Herausforderungen im Alltag dar. Denjenigen, die hier die größten Probleme wahrnehmen, ist es besonders wichtig, dass (potenzielle) Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen ein besseres Verständnis für Beeinträchtigungen durch Behinderungen (58 Prozent) entwickeln. Gleichzeitig wünschen sie sich aber auch mehr Vertrauen in die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderungen (48 Prozent). Darüber hinaus bemängelt fast die Hälfte (48 Prozent) die schlechte Verfügbarkeit von technischen Hilfsmitteln.

Mehr Verständnis durch Aufklärung

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen deutlich, dass die Herausforderungen, denen Menschen mit Behinderung im Alltag begegnen, nicht nur auf strukturelle Prozesse zurückzuführen sind. Probleme werden auch im gesellschaftlichen Miteinander und auf zwischenmenschlicher Ebene deutlich. So wird von den Befragten in allen Lebensbereichen der Wunsch nach einem besseren Verständnis für die Beeinträchtigungen durch eine Schwerbehinderung genannt.

Dafür braucht es vor allem eines: Ein stärkeres Bewusstsein unter Menschen ohne Behinderung, welche Hindernisse Menschen mit Behinderung im Alltag bewältigen müssen. Auch in diesem Jahr wird deshalb am 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, mit zahlreichen Aktionen auf Missstände sowie auf Teilhabe-Barrieren im täglichen Leben aufmerksam gemacht.

Sie möchten mehr erfahren? Hier finden Sie weitere Informationen zur Studie der Aktion Mensch sowie zu den Aktionen rund um den diesjährigen Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

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